E-Mails sind im Grunde nicht mehr als etwas Inhalt (Body), versehen mit Angaben zu seiner Herkunft (Absender-Adresse: From), seinem Ziel (Empfänger-Adresse/n: To) sowie seinem Betreff (Subject). So einfach war die Welt, als 1984 die ersten E-Mails durch‘s CSNet, dem Vorläufer des Internets, geschickt wurden. Der Versand einer E-Mail kostete Geld und war den im Netz angeschlossenen Forschungseinrichtungen vorbehalten.

From:        Swisslos <lotto@swisslos.ch>
To:           Empfänger <empfaenger@beispiel.ch>
Subject:      Herzlichen Glückwunsch, Sie haben im Lotto gewonnen!
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Heutzutage sind nicht nur die Kosten verschwunden, auch steht das E-Mail-Protokoll SMTP (Send Mail Transfer Protocol) jedem Menschen mit Internet-Verbindung offen. De-facto ist das Protokoll sogar so einfach, dass es kaum einen Computer gibt, welcher nicht in der Lage ist dieses einzusetzen.

Wenn etwas simpel ist, ist es manchmal auch genial.

Die Einfachheit verbunden mit dem Vorteil eine Nachricht im anonymen Internet gezielt an eine bestimmte Person senden zu können, hat den Erfolg der E-Mail besiegelt. Das Internet ist – gemeinsam mit E-Mail – gewachsen und neben dem persönlichen Nachrichtentransfer gesellten sich auch zunehmend kommerzielle Absichten.

Vielseitigkeit

Heutzutage transferieren wir mit E-Mails längst nicht mehr nur unsere Botschaft, auch müssen sie:

  • gut aussehen,
    Dank der Unterstützung von HTML-Code, können Schriftarten, Farben, Grössen und andere Gestaltungsmerkmale definiert werden. Diese Anweisungen werden durch den Empfänger-Client interpretiert und dargestellt.
  • für alle Menschen lesbar sein,
    Auch mit eingeschränkter oder anderen Behinderung, sollten E-Mails dennoch interpretiert werden können. Die weite Verbreitung von E-Mails führt zu einem riesigen Spektrum unterschiedlichster Menschen und Anforderungen.
  • auf unterschiedlichen Geräten dargestellt werden,
    E-Mails werden immer und überall gelesen. Eine Smartwatch (z.B. Apple Watch) verfügt verglichen mit klassischen Computern über ungleich viel weniger Platz um eine E-Mail oder E-Mail Liste darzustellen. Ein Smartphone oder Tablet liegt irgendwo dazwischen. Die Bedienung unterscheidet sich und funktioniert mal mit der Maus, mal mit dem Finger.
  • beim Empfänger zuverlässig und schnell ankommen.
    Von E-Mails ist man sich mittlerweile gewohnt, dass diese innerhalb weniger Sekunden längs und quer über den Planeten verschickt werden können.

Das sehr einfache E-Mail-Protokoll schreit förmlich danach erweitert zu werden. Um Inhalte für unterschiedliche Geräte resp. unterschiedliche Anforderungen zu optimieren.

Was ist “Multipart“ und wie hilft das hier?

Mit Multipart wird ein Verfahren beschrieben, wonach den empfangenden E-Mail-Clients unterschiedliche („Multi..“) Varianten des Inhalts als separate Teile (Body-„Part“) übergeben wird. Der Inhalt ist also mehrfach vorhanden, jeweils mit unterschiedlichen Anweisungen zur Darstellung. Der Client wählt daraus die für den Empfänger in diesem Moment beste Variante und gibt diese (optisch oder akustisch) aus.

From:        Swisslos <lotto@swisslos.ch>
To:           Empfänger <empfaenger@beispiel.ch>
Subject:      Herzlichen Glückwunsch, Sie haben im Lotto gewonnen!
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Als Markierung für den E-Mail-Client, wo der nächste Teil beginnt und der aktuelle endet, dient eine Zeile welche mit einem Dash (-) beginnt und einer als „Boundary“ bezeichneten, zufälligen Zeichenkette endet.

Die Multipart-Typen in E-Mails

Grundsätzlich gibt es für jeden Datentyp einen sogenannten Mimetype. Dieser beschreibt das Format der darauf folgenden Anweisungen und kann von den dafür geeigneten Clients gelesen und dargestellt werden. Folgende Datentypen sind in E-Mails typisch:

Reine Textform: text/plain

Insbesondere Screen-Reader Programme bevorzugen die Inhalte in reiner Textform um diese dem Empfänger vorzulesen. Da jede Art von gestalterischer Anweisung fehlt, kann sich das Programm so sehr einfach auf den Inhalt konzentrieren.

Professionelle E-Mail-Marketing Systeme nutzen diesen Typen um eine auf die Bedürfnisse von Screen-Reader optimierte Syntax zu verwenden. Hier werden Inhaltsverzeichnis, Kapitel, Sprungmarken etc. mit einfachen Zeichen markiert, sodass die Software die Bereiche erkennen und dem Nutzer zwecks Navigation zur Verfügung stellen kann. Blinde und sehbehinderte Personen profitieren enorm von einer solchen Optimierung.

Achtung: Leider lassen gerade günstige E-Mail-Marketing Systeme eine solche Screenreader-Optimierung oftmals schmerzlich vermissen. Da die meisten Personen nicht davon profitieren, wird (leider) oft nicht danach gefragt..

Gestaltbar und responsiv: text/html

Heutzutage wird kaum noch eine E-Mail ohne HTML-Variante verschickt. Es ist Standard, Texte mit Schriftart, Grösse, Farben etc. gestalten zu können. Für all das wird die gleiche Auszeichnungssprache verwendet, in welcher auch Webseiten gestaltet werden.

Da E-Mail-Clients mittlerweile sehr unterschiedlich sein können; klein wie ein Smartphone oder gross wie bei einem hochauflösenden 30-Zoll Monitor und alles dazwischen, wird in der HTML-Variante oft eine Technik eingesetzt, welche sich „responsive HTML“ nennt. Dabei werden abhängig von den jeweilig zur Verfügung stehenden Platzverhältnissen, unterschiedliche Gestaltungsanweisungen ausgegeben. So kann eine Schrift auf unterschiedlichen Bildschirmgrössen unterschiedlich gross ausgegeben oder die Darstellung von nebeneinander liegenden Objekten zu „untereinander“ wechseln.

Auf Smartwatches optimiert: text/watch-html

Smartwatches wie die Apple Watch ermöglichen das Überblicken und Lesen von E-Mails am Handgelenk. Die extrem kleinen Bildschirme fördern neue Bedürfnisse an die Ausgabe und Formatierung der Inhalte zu Tage. Mit dem Watch-HTML Mimetype ist es möglich, den Inhalt zusätzlich speziell für die Bedürfnisse dieser Bildschirmgrössen zu optimieren. Beispielsweise kann so die Kernbotschaft der E-Mail auf den Punkt gebracht und so dem Nutzer den Nutzen der E-Mail schon auf den ersten Blick bekannt gemacht werden.

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Zusätzliche Funktionen: text/x-amp-html

AMP ermöglicht zahlreiche Zusatzfunktionen direkt in E-Mails. So können beispielsweise sehr einfach und kostengünstig Formulare in E-Mails integriert werden, personalisierte Inhalte in Echtzeit ausgespielt oder Funktions-Knöpfe direkt in die Posteingangsliste des E-Mail-Clients integriert werden.

Dieser Mimetype ist noch sehr jung und wird erst von wenigen E-Mail-Clients wie bspw. Gmail – und auch da erst eingeschränkt – unterstützt. Sobald diese Technologie weiter verbreitet ist, kann sie durchaus unser heutiges Verständnis von E-Mails revolutionieren. Bislang fristet sie aber eher noch ein Nischendasein.

Integrierte Bilder: image/jpeg, image/png etc.

Neben der Möglichkeit Dateien einer E-Mail anzufügen, hat man auch die Möglichkeit ganze Bilddaten in eine E-Mail zu integrieren (engl. „embedding“). Hierbei werden die im Bild enthaltenen Informationen direkt in die E-Mail geschrieben.

–ZUFAELLIGE-ZEICHENKETTE
Content-Type: image/png; charset=UTF8
Content-ID:   <swisslos-logo>
Content-Transfer-Encoding: base64

{{Base64-Encodete Bilddaten}}

–ZUFAELLIGE-ZEICHENKETTE–

Der viel geschätzte Vorteil ist, dass diese Bilddaten nicht mehr extra geladen werden müssen und mit Übertragung der E-Mail dem Leser sofort und auch später ohne Internet-Zugang zur Verfügung steht.

Achtung: Spamfilter erachten E-Mails mit integrierten Bilder gerne als unerwünschte Werbung. Seien Sie also sparsam und integrieren Sie – wenn überhaupt – nicht mehr als die nötigsten Bilddaten.

Fazit

Die Multipart-Technik ermöglicht die Optimierung des Inhalts für unterschiedliche Geräte und Anwendungsbereiche. Es verbessert die Bedien- und Lesbarkeit, fordert aber zusätzliche Funktionalitäten vom Absendersystem. Achten Sie bei der Evaluation eines E-Mail-Marketing Systems darauf, dass die für Sie relevanten Möglichkeiten und Funktionalitäten vorhanden sind.

Autor

Andy Reutimann ist Digital-Marketing Berater und bekannt für seine Expertise in den Bereichen E-Mail-Marketing, E-Mail Sicherheit sowie der praktischen Anwendung geltender Datenschutz-Rechte. Er ist im DACH-Raum tätig und regelmässig als Speaker und in Fachmagazinen zu finden. Weitere Informationen und Kontaktaufnahme: hier klicken.

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